Stotterer-Selbsthilfe Köln e.V.

Historie

Gründungsphase

Die „Sprechbehinderten Selbsthilfe Köln e.V.“ wurde im Herbst 1974 von ehemaligen Patienten des Zentrums für Sprechbehinderte Bonn-Oberkassel gegründet. Die Ersteintragung beim Amtsgericht Bonn-Oberkassel mit der Registernummer 3953 erfolgte im Sommer des Folgejahres.
Das Jahr 1975 war eine sehr bewegte Zeit für unseren Verein. Im Januar wurde die Satzung neu verfasst und mit dem Beschluss der Mitgliederversammlung vom 09.09.1975 der Sitz im §1 geändert. Mit dieser Satzungsänderung begann das Kölner Kapitel. Folglich wurde unser Verein im Register 7238 des Kölner Amtsgerichts im Januar 1976 eingetragen.
Ziel des Vereins war es damals wie heute, Betroffenen Hilfestellung dabei zu geben, mit der Beeinträchtigung Stottern den Alltag zu meistern.
Auf der Mitgliederversammlung am 07.06.1988 wurde mit der Namensänderung das Stottern mehr in den Mittelpunkt gerückt. Die Eintragung „Stotterer-Selbsthilfegruppe Köln e.V.“ erfolgte knapp vier Monate später am 25. Oktober 1988.

 

 

Organisation von Welttreffen, Bundestreffen bzw. -kongresse

 

Die Kölner Gruppe war schon damals, Ende der Siebziger und in den Achtzigern, eine sehr aktive und engagierte Gruppe. Folglich richtete die Kölner Selbsthilfe 1977 in Kürten und 1984 in Köln ein Bundestreffen aus.
Nach Gründung des Bundesverbandes 1979 stand Köln regelmäßig mit dessen Büro in Kontakt. So kam es auch, dass knapp acht Jahre später, im September 1987, sogar eine Anfrage aus dem Büro des Bundesverbandes in Solingen zur Organisation eines Stotterer Welttreffens erfolgte.
Eine solche Veranstaltung zu organisieren stellt für Ehrenämtler ein Mammutprojekt dar. Um die Mitglieder des Vereins zu entlasten, wurde Anfang 1989 extra eine weitere ABM-Stelle geschaffen und vom Arbeitsamt Köln finanziert.
Die „2. Internationale Konferenz der Stotterer-Selbsthilfe“ in der Köln-Mülheimer Stadthalle konnte somit erfolgreich vom 11. bis 14. August 1989 stattfinden.

Fotos: B. Wauligmann

Später wurden noch drei weitere Bundeskongresse in Köln veranstaltet: In den Jahren 2002 mit dem Motto „Block de Cologne – Stottern in Kölle“, 2009 zum 30. Bestehen der Bundesvereinigung mit dem Motto „Mer sin wie mer sin“ sowie 2018 unter dem Motto Zosamme nit allein – mitmachen, mitreden, miteinader mehr erreichen“ – hier stand das Engagement und die Aktivitäten in den Selbsthilfegruppen vor Ort im Fokus.

 

 

 

Beratung & Aufklärung – Wissen hilft weiter

 

 

Der Zeitraum Mitte bis Ende der Achtziger Jahre war für unseren Verein ein sehr dynamischer und bewegter Abschnitt. Die Kölner Selbsthilfe entwickelte sich zu einer Stütze des Gesundheitssystems. Hierfür standen mehrere Angestellte und Therapeuten der Gruppe zur Seite. Die erste ABM-Stelle diesbezüglich wurde am 06.09.1988 durch den Dipl.-Pädagogen und Soziologen Aribert Köpf besetzt und die Kölner Gruppe konnte im darauffolgenden Jahr am 19. April 1989 in der Kasparstraße 4 eine Kontakt- und Beratungsstelle eröffnen (Foto: Gründungsmitglieder der KoBeS).
Ein Jahr später, am 30. März 1990, wurde durch eine Satzungsänderung die Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt Köln-Mitte anerkannt.

 

Zu den Aufgaben der KoBeS zählten unter anderem

 

  • Telefonische Beratung von Betroffenen.
  • Erstellung, Beschaffung und Verbreitung von Informationsmaterialen.
  • Zusammenstellung eines Therapeutenverzeichnisses für Köln
  • Erarbeitung und Einrichtung eines Beratungskonzeptes von jugendlichen Stotternden, sowie einer Eltern-Kindgruppe.
  • Informationspolitik bezüglich unserer Angebote bei Sprachtherapeuten, Logopäden und Einrichtungen für Sprachbehinderte.

 

Durch eine erforderliche Neustrukturierung Anfang der Neunziger wechselte Herr Köpf als Geschäftsführer zur Bundesvereinigung. Somit wurden einige dieser Projekte und Aufgaben durch die jetzige Geschäftsstelle der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e.V. (BVSS) in der Zülpicher Straße 58 bis zum heutigen Tage erfolgreich weitergeführt.

Zum 40. Vereinsjubiläum, im Jahre 2014, finanzierte die Gruppe ein bundesweites Aufklärungsfaltblatt für Nicht-Betroffene. Dieses Faltblatt enthält Hinweise für das Gespräch mit stotternden Menschen und kann über die BVSS kostenfrei angefordert werden.

 

 

Deutsche Einheit

Fotos: M.Otto

Nach der Wiedervereinigung wurde bei einem Erfahrungsaustausch Ost/West der Stotterer-Selbsthilfegruppen, spontan eine Städtepartnerschaft mit der Rostocker Gruppe ins Leben gerufen. Es entwickelte sich eine rege Zusammenarbeit mit Besuchen in beiden Städten.
Zum dreitägigen Besuch in der Zeit vom 30. April bis zum 3. Mai 1992 in Köln erhielt unsere Gruppe ein Dankschreiben des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Dieser lobte den Versuch, mit Hilfe durch Partnerschaften von Selbsthilfegruppen die „innere Mauer“ zwischen Ost und West abzubauen.

 

 

Programm & Aktivitäten

Fotos: SHG Köln
(Gruppenabende damals und heute)

Schon seit dem 7. Juni 1977 treffen wir uns jeden Dienstag im Quäker-Nachbarschaftsheim an der Kreutzerstraße 5-9. Damals wie heute zählen Gruppenabende, Workshops und geplante Freizeitveranstaltungen zu den Angeboten der persönlichen Begegnung.
Die Kölner Gruppenabende ermöglichen die Zusammenkunft mit Menschen, die die gleichen oder ähnliche Probleme haben, in einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens.
In diesem „Schon-Klima“ können Betroffene angstfrei soziale Kontakte knüpfen, über ihre Gefühle und Empfindungen sprechen sowie Erfahrungsschätze austauschen.
Damit sind die Aktivitäten der Gruppenabende keineswegs erschöpft. Der Ablauf eines Abends richtet sich nach den Bedürfnissen der Teilnehmer. Manchmal werden in Rollenspielen Strategien erarbeitet, um bestimmten angstmachenden Situationen besser begegnen zu können. Oder wenn jemand irgendwo einen Vortrag zu halten hat, so kann er das in der Gruppe ebenfalls einüben. Ebenso Lese- und Entspannungsübungen, Rhetorik- und Fremdsprachen-Workshops sowie Video- bzw. Telefontrainings stehen regelmäßig auf dem Programm.

Neben der inhaltlichen Beschäftigung mit dem eigenem Handicap gehört zu unserer erfolgreichen Selbsthilfearbeit ebenso, die Probleme einmal zu vergessen, Spaß und Freude miteinander zu erfahren, Kultur- und Freizeitveranstaltungen sowie Feste gemeinsam zu erleben.
Auch früher zählten schon Freizeitveranstaltungen zum Kölner Programm. Hier zu sehen ist der Schnappschuss einer damaligen Fahrradtour sowie ein Gruppenfoto der Kölner Segway-Tour im Sommer 2013.

Fotos: SHG Köln

Die Selbsthilfebewegung hat sich in den letzten Jahren durch die Veränderungen der Gesellschaft gewandelt. Ganz entgegen der allgemeinen Entwicklung konnte die Stotterer-Selbsthilfe Köln e.V., durch ihre attraktiven und vielfältigen sozialen Angebote die Mitgliederzahl in den letzten Jahren weiter ausbauen. Im Januar 2018 durfte der Vorstand das 100. Mitglied begrüßen.

Unser Motto: „Die Selbsthilfe lebt vom Mitmachen – auf die nächsten vierzig Jahre!“